Energie-Psychotherapie & Achtsamkeit

Neues und Hintergründiges aus dem großen Feld der energetischen Psychologie.
Von Klopfakupressur über Intention bis zu Achtsamkeit.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Meditation: Vorübungen

(Artikelserie Meditation, Teil 3)

Nach den ersten beiden Artikeln soll es jetzt um zwei kleine Vorübungen gehen. Eine Gedankenbeobachtung und eine "Geh-Meditation".

Diese Vorübungen sind nicht zwangsläufig notwendig und wenn Sie wollen (und diesen Artikel erst ein bis zwei Wochen nach der Veröffentlichung lesen), können Sie gleich zum nächsten oder übernächsten Artikel springen und die eigentlichen Meditationsanleitungen herunter laden. Eventuell bringen Sie sich damit aber um eine kleine Überraschung. (Ja, ich will Sie neugierig machen ...)


Gedanken beobachten ...

Nehmen sie sich bitte eine Minuten Zeit. Und jetzt beobachten Sie Ihre Gedanken. So als ob Sie sich selbst beim Denken zuhören würden. Wenn keine automatischen Gedanken kommen, dann machen Sie sich welche, egal welche. Beobachten Sie, welche Gedanken kommen, wie schnell, welche emotional "Färbung" sie haben. Beobachten Sie alle Gedanken, die kommen - ohne sie zu bewerten, ohne sie verändern zu wollen. Einfach beobachten, wie jemand am Meer, dem Spiel der Wellen zu schaut. Aber verlieren Sie sich nicht in den Gedanken. Lassen Sie sie einfach kommen und gehen ... bleiben Sie in einer beobachtenden Haltung. Los gehts!

Beobachten Sie Ihre Gedanken.

Beobachten Sie ...

Beobachten Sie ...

Stop!

Nicht weiter lesen, bevor Sie die Übung wirklich durchgeführt haben.

Glückwunsch! Ich habe Sie ein wenig auf's Glatteis geführt. Das war im Grunde genommen keine Vorübung sondern eine Achtsamkeitsmeditation. :-) Nur eine kurze und vermutlich ohne intensives Glücksgefühl oder tiefe Einsicht in die Natur der Welt, aber es war eine Meditation.
Und Sie haben - vielleicht ohne es zu merken - eine wichtige Grunderkenntnis der Meditation gemacht. Sie haben sich selbst beim Denken beobachtet. Es gibt also ein "Selbst" jenseits Ihrer Gedanken. Sie sind nicht ihre Gedanken, Sie haben Gedanken. Was dieses "Selbst" ist, darüber gibt es viele Spekulationen, aber es scheint so zu sein, als ob es Sie jenseits Ihrer Gedanken gibt. (Ich habe die Übung schon gemacht und mich gibt es auch jenseits meiner Gedanken.)

Das absichtslose Beobachten der eigenen Gedanken ist eine wertvolle Übung. Ich mag sie gerne und baue sie immer mal wieder in meinen Alltag ein. Das hilft sehr, sich besser kennen zu lernen. Wenn Sie diese Übung zwei-, dreimal am Tag nur kurz durchführen, sind Sie schon auf dem Weg zu einer meditierenden Lebensführung. (Und lernen dadurch mehr und mehr, die eigenen Gedanken nicht so ernst zu nehmen.)

Diese Übung kommt so auch im Buch "Buddha und die Wissenschaft vom Glück" vor. (Buchtipp siehe unten.)

Die zweite "Vorübung" ist ebenfalls eine Achsamkeitsübung, nutzt aber den Körper als Anker.

Achtsames Gehen:

Die Übung stammt aus der Tradition des ZEN-Buddhismus (oder wie er in China heißt: Chan-Buddhismus). Auch sie ist im Grund genommen ziemlich simpel und das macht sie so elegant. Gehen Sie! Schritt für Schritt.

Der Trick dabei ist, für einige Minuten jede Bewegung - während Sie sie durchführen - in Gedanken oder laut zu kommentieren. Sie beschreiben sich selbst, was Sie gerade tun:

Fuß heben - nach vorne schwingen - aufsetzen, abrollen - Gewicht verlagern - anderen Fuß heben - nach vorne schwingen - aufsetzen, abrollen - ...

Verwenden Sie Ihre eigenen Worte oder nutzen Sie meine. Wichtig ist nur, dass Sie jede Bewegung beschreiben. Bleiben Sie mit der Aufmerksamkeit ganz beim Gehen. Wenn Sie zwischendurch bemerken, dass die Gedanken abschweifen, geht es Ihnen wie allen Meditierenden. Das macht nichts. Holen Sie sich einfach wieder zurück und konzentrieren Sie sich auf die Beschreibung Ihres Gehens.

Machen Sie die Übung bitte jetzt. Einfach ausprobieren!

Gehen ...

Gehen ...

Gehen ...

Stopp!

Wie war Ihre Erfahrung. Hatten Sie Schwierigkeiten, die ganze Zeit dabei zu bleiben? Das ist normal. Fühlen Sie sich anders? Wenn ja, ist das gut. Wenn nein, auch nicht ungewöhnlich. Wiederholen Sie die Übung ruhig immer wieder. Sie wird besser, je öfters Sie sie durchführen.

Viel Spaß.

Im nächsten Artikel wird es um meditative Atmung gehen.

Buchtipp:
Buddha und die Wissenschaft vom Glück:
Ein tibetischer Meister zeigt, wie Meditation den Körper und das Bewusstsein verändert.
Yongey Mingyur Rinpoche / Vorwort von Daniel Goleman
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